
Blutorangen sind Orangen mit rot pigmentiertem Fruchtfleisch. Die Farbe stammt von Anthocyanen, die sich nur bilden, wenn die Nächte während der Reife auf etwa 5 bis 10 °C fallen – deshalb gedeihen sie fast ausschließlich in Süditalien. Es gibt drei Sorten: Tarocco (die süßeste), Moro (die dunkelste) und Sanguinello (die späteste). Saison ist Dezember bis April, die beste Zeit sind Februar und März.
Ich bin Giuliano Conforti aus San Giorgio Albanese im Crati-Tal. Die Tarocco ist bei uns nicht einfach „eine Blutorange“: Sie ist die Orange, die jeder, der von Zitrusfrüchten lebt, selbst auf den Tisch stellt. Am Ionischen Bogen Kalabriens herrscht dasselbe Klima, das sie am Ätna groß macht – helle Tage und kalte Nächte im Januar und Februar. Ohne diesen Temperaturschock kein Rot, und ohne Rot keine echte Blutorange.
In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen die drei Sorten, die Chemie hinter der Farbe, die Klone der Tarocco, die Nährwerte, wie Sie im deutschen Handel gute Ware erkennen und wie Sie Blutorangen lagern und verwenden. Ohne Werbesprache – nur das, was man unter Erzeugern über das fertige Produkt sagt.
Die drei Sorten im Vergleich
In Italien unterscheidet man drei Blutorangen, und sie sind nicht austauschbar.
| Sorte | Erntezeit | Fruchtfleisch | Geschmack | Beste Verwendung |
|---|---|---|---|---|
| Tarocco | Dez.–April | orange bis rubinrot, variabel | süß, ausgewogen, Himbeernote | Tafelobst, Saft, Salat |
| Moro | Jan.–März | dunkelrot bis fast schwarz | intensiv, herber, säurebetont | konzentrierter Saft, Sorbet |
| Sanguinello | Feb.–April | leuchtend rot | säuerlich, weniger süß | Saft, Eis, Marmelade |
Die Tarocco heißt in Sizilien mezzosangue, Halbblut, weil ihre Färbung je nach Winter stark schwankt. Sie ist mittelgroß bis groß, 7 bis 9 cm im Durchmesser, mit einer kleinen Wölbung am Stielansatz – ein Erkennungsmerkmal gegenüber Navel-Orangen. Das Fruchtfleisch hat 10 bis 12 Segmente und praktisch keine Kerne, weshalb sie unter allen Blutorangen die beste Tafelfrucht ist.
Warum Blutorangen rot sind
Die rote Farbe ist weder Farbstoff noch Zufall, sondern Pflanzenbiochemie. Bei mildem Temperaturstress – helle Tage und kalte Nächte während der Fruchtreife – lagert die Pflanze Anthocyane im Fruchtfleisch ein, vor allem Cyanidin-3-Glucosid. Es sind dieselben Pigmente, die Heidelbeeren, Granatapfel und Rotkohl färben.
Die Feldregel ist einfach: Ohne nächtliche Tiefstwerte um 5 bis 10 °C im Januar und Februar entstehen keine Anthocyane. Deshalb haben Blutorangen aus küstennahen Ebenen weniger Farbe als solche aus dem höher gelegenen Hinterland. In milden Wintern fallen ganze Jahrgänge blasser aus – das ist kein Fehler des Erzeugers, sondern das Klima.
Daraus folgt etwas, das viele Käufer überrascht: In einer Kiste echter, unsortierter Blutorangen liegen hellere und dunklere Früchte nebeneinander. Vollkommen einheitlich gefärbte Ware ist das Ergebnis scharfer industrieller Sortierung, bei der die „passenden“ Früchte zusammengelegt und die übrigen aussortiert werden.
Die Klone der Tarocco
Von „der“ Tarocco zu sprechen, ist eine Vereinfachung. Im 20. Jahrhundert wurden mehrere Klone selektiert, jeder mit eigenem Profil.
Tarocco Comune ist die ursprüngliche Sorte vom Ätna, mittelgroß, mit deutlicher Wölbung und schwankender Färbung. Tarocco Gallo ist heute der gefragteste Klon: große, längliche Frucht mit ausgeprägter Wölbung, intensiv rotem Fleisch und rotoranger Schale. Tarocco Nucellare wurde auf Ertrag und gleichmäßige Größe selektiert und ist bei Erzeugern wegen der einfachen Bewirtschaftung beliebt.
Tarocco Lempso und Tarocco Meli sind Frühsorten, die schon im Dezember geerntet werden; sie sind weniger stark pigmentiert, weil der Temperaturschock noch nicht lange gewirkt hat. Tarocco Sciara und Tarocco Tapi sind Spätsorten für März und April mit sehr kräftiger Färbung. Die Bezeichnung „Tarocco Rosso“ ist dagegen ein Handelsname, keine botanische Sorte.
Saison und bester Zeitpunkt
Die Saison für Blutorangen läuft von Dezember bis April. Frühe Klone starten im Dezember, die Hauptsorten erreichen zwischen Januar und März ihre beste Qualität, späte Klone reichen bis in den April. Im deutschen Handel tauchen sie meist ab Ende Dezember auf und verschwinden im April wieder.
Der ideale Kaufzeitpunkt ist Februar bis März: Dann hat die winterliche Kälte lange genug auf die Anthocyane gewirkt und die Zuckerbildung ist abgeschlossen. Wichtig zu wissen: Blutorangen reifen langsam und bleiben monatelang am Baum hängen, ohne zu fallen. Der Erzeuger erntet deshalb in drei oder vier Durchgängen. Für Sie heißt das: Eine Frucht, die Sie im Februar kaufen, wurde meist vor wenigen Tagen bis zwei Wochen gepflückt – nicht vor Monaten eingelagert.
Wenn Sie im Juli oder August „Blutorangen“ angeboten bekommen, stammen sie aus der Südhalbkugel oder es handelt sich um andere Sorten unter falschem Namen. Echte Blutorangen gibt es von Dezember bis April, mehr nicht. Welche Zitrusfrucht sonst wann Saison hat, steht im Beitrag Zitrusfrüchte Arten.
Nährwerte und Inhaltsstoffe
Blutorangen verbinden die Nährwerte gewöhnlicher Orangen mit den Anthocyanen des roten Fleisches. Eine mittlere Frucht von rund 150 g liefert etwa 70 bis 80 mg Vitamin C und deckt damit den Tagesbedarf eines Erwachsenen weitgehend – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt 110 mg für Männer und 95 mg für Frauen. Der Energiegehalt liegt bei rund 40 bis 45 kcal je 100 g Fruchtfleisch und damit unter dem blonder Orangen.
Dazu kommen Ballaststoffe, Kalium, Folat und die typischen Zitrus-Flavonoide Hesperidin und Narirutin. Welche gesundheitsbezogenen Aussagen dazu in der EU zugelassen sind, regelt die Verordnung (EU) Nr. 432/2012: Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, schützt die Zellen vor oxidativem Stress und erhöht die Eisenaufnahme. Für Anthocyane selbst gibt es keine zugelassene Angabe – sie sind interessante Pflanzenstoffe, aber kein Heilmittel, und ich verspreche Ihnen dazu nichts. Eine Übersicht über alle Zitrusarten und ihre Werte finden Sie in unserer Zitrusfrüchte Liste.
Gute Blutorangen erkennen
Vor der Kiste im Laden helfen vier Prüfungen. Erstens die Wölbung am Stielansatz: Eine vollkommen kugelrunde Frucht ohne diesen kleinen Höcker ist fast sicher eine andere Sorte. Zweitens die Schale: leicht rau, mit gut sichtbaren Öldrüsen, kräftig orange mit roten Streifen oder kupfrigem Schimmer. Eine sehr glatte, gleichmäßig gefärbte Schale deutet auf intensive Wäsche und Nachernte-Behandlung hin.
Drittens das Gewicht im Verhältnis zur Größe: Eine reife, saftige Frucht ist spürbar schwer. Viertens der Duft: Kratzen Sie leicht mit dem Fingernagel über die Schale. Eine frische Frucht gibt sofort ein intensives, leicht grasiges Zitrusaroma ab. Riecht die Schale nach nichts, lag die Ware lange im Kühlhaus. Achten Sie außerdem auf die Herkunftsangabe – idealerweise mit Anbaugebiet und Klon.
Richtig lagern
Bei 6 bis 10 °C an einem trockenen, luftigen Ort halten Blutorangen zwei bis drei Wochen. In deutschen Wohnungen heißt das: Keller, Speisekammer oder im Winter eine geschützte Ecke des Balkons – nicht die Küchenzeile über der Heizung.
Im Kühlschrank halten sie bis zu einem Monat, doch anhaltende Kälte dämpft Duft und Aroma. Nehmen Sie sie einige Stunden vor dem Verzehr heraus. Kontrollieren Sie die Kiste alle paar Tage: Eine schimmelnde Frucht steckt die anderen schnell an, deshalb sofort aussortieren, sobald dunkle Flecken oder weiche Stellen auftreten. Belüftete Holz- oder Kartonkisten sind besser als geschlossene Plastikbeutel. Unbehandelte Ware aus kurzer Lieferkette finden Sie unter Zitrusfrüchte aus Kalabrien.
In der Küche
Die naheliegendste Verwendung ist die einfachste: schälen, die weiße Haut grob entfernen, in Spalten teilen und so essen. Genauso gut funktionieren Blutorangen im Wintersalat – die klassische süditalienische Kombination aus Orangenspalten, dünn gehobeltem Fenchel, roter Zwiebel, schwarzen Oliven und nativem Olivenöl extra, dazu grobes Salz und Pfeffer.
Der Saft ist dicht, farbintensiv und schmeckt runder als der von Moro, weniger sauer als der von Sanguinello. Trinken Sie ihn innerhalb weniger Minuten: Vitamin C oxidiert an Luft und Licht, und das Aroma kippt schnell. Für die Küche eignen sich Blutorangen außerdem für Marmelade, Sorbet, Granita, Gelees und als Marinade für Fisch und helles Fleisch. Die Schale können Sie bei unbehandelter Ware kandieren oder abreiben. Gut kombinieren lassen sie sich mit Zartbitterschokolade, Mandeln, Pistazien, Honig, Ricotta und – gerade im Salat – mit einem kräftigen Olivenöl.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Blutorangen und Navel-Orangen?
Der Hauptunterschied liegt in Farbe und Geschmack des Fruchtfleisches. Blutorangen enthalten Anthocyane, die das Fleisch von kräftigem Orange bis Rubinrot färben; Navel-Orangen haben klassisch orangefarbenes Fleisch. Geschmacklich bringen Blutorangen eine Beerennote mit, Navel schmecken neutraler süß. Äußerlich hat die Tarocco eine kleine Wölbung am Stielansatz, die Navel dagegen den namengebenden „Nabel“ am Blütenende. Beide sind praktisch kernlos.
Wann haben Blutorangen Saison?
Von Dezember bis April. Frühe Klone wie Lempso und Meli starten im Dezember, die Hauptsorten Comune, Gallo und Nucellare erreichen zwischen Januar und März ihre beste Qualität, späte Klone wie Sciara und Tapi reichen bis April. Der ideale Zeitpunkt für Geschmack und Färbung ist Februar bis März. Ware, die außerhalb dieses Fensters als Blutorange verkauft wird, stammt aus Übersee oder ist eine andere Sorte.
Warum sind Blutorangen manchmal kaum rot?
Weil die Anthocyane nur bei nächtlichen Tiefstwerten um 5 bis 10 °C während der Reife entstehen. In milden Wintern oder in küstennahen Ebenen bildet sich weniger Pigment, und die Früchte bleiben orange mit roten Streifen. Das ist kein Qualitätsmangel und schon gar kein Betrug, sondern die Handschrift der jeweiligen Saison. Vollkommen einheitlich rote Ware ist meist industriell nachsortiert.
Wie lagert man Blutorangen richtig?
Bei 6 bis 10 °C an einem trockenen, luftigen Ort halten sie zwei bis drei Wochen, im Kühlschrank bis zu einem Monat. Anhaltende Kälte dämpft allerdings Duft und Aroma, deshalb sollten Sie die Früchte einige Stunden vor dem Verzehr herausnehmen. Verwenden Sie belüftete Kisten statt geschlossener Beutel und sortieren Sie schimmelnde Früchte sofort aus, weil sich Fäulnis rasch auf die ganze Kiste überträgt.
Welche Blutorange eignet sich am besten zum Saftpressen?
Für Saft, den Sie direkt trinken, ist die Tarocco die beste Wahl: Sie ist die süßeste der drei Sorten und ergibt einen runden, ausgewogenen Saft mit Himbeernote. Die Moro liefert den dunkelsten und intensivsten, aber auch herberen Saft und eignet sich hervorragend für Sorbets und Granita. Die Sanguinello ist säuerlicher und kommt vor allem am Ende der Saison ins Spiel. Trinken Sie frisch gepressten Saft immer sofort.
Seit über fünfzig Jahren lebt unsere Familie in San Giorgio Albanese am Ionischen Bogen Kalabriens von der Landwirtschaft. Geerntet wird von Hand in mehreren Durchgängen, versandt wird wenige Tage später – deshalb liegen in unseren Kisten hellere und dunklere Früchte nebeneinander. Antworten schreiben mein Bruder oder ich, nie ein Callcenter.






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